Infomationen zur Tansania Partnerschaft

Die Evangelischen Gemeinden im Münchner Westen sind seit vielen Jahren in einer Partnerschaft mit der Evangelisch-Lutherischen Konde-Diözese im Südosten von Tansania verbunden. Die Partner der Christuskirche sind zwei ländlichen Kirchengemeinden in den Orten Ngamanga und Lukwego. Es finden regelmäßige Begegnungen von Erwachsenen und Jugendlichen in Deutschland und Tansania statt. Die Teilnahme ist für alle offen, wir informieren gerne. Außerdem unterstützen wir soziale und kirchliche Projekte der Konde-Diözese finanziell.

Partnergemeinden der Christuskirche


Bild: Bau einer neuen Kirche in Lukwego

Jede Gemeinde in München-West hat eine oder mehrere Partnergemeinden in Konde, mit denen es Briefkontakt gibt und persönlichen Kontakt durch Besuche. Die Christuskirche ist mit Ngamanga und Lukwego verbunden, zwei nahe beieinanderliegenden Dörfer nicht weit vom Nyassasee. Das Gebiet ist ländlich, die meisten Menschen sind Bauern, und leben vom eigenen Feld. Die Gemeinden haben kaum andere Einkommensquellen als die Pflichtbeiträge der Mitglieder. Wer kein Geld übrig hat, bringt Sachspenden in die Kirche, ob Feuerholz oder ein lebendes Huhn; diese werden dann nach dem Gottesdienst versteigert. Wir zeigen unsere Solidarität durch finanzielle Unterstützung für Gemeindeprojekte wie Baumaßnahmen oder Hilfen für sozial schwache Menschen und Waisenkinder.

Spenden für Tansania

Spenden für die Konde-Diözese leiten wir gerne weiter. Sie können eine Spende im Pfarramt persönlich abgeben oder auf unser Splendenkonto überweisen:

  • Spendenkonto Christuskirche
  • IBAN: DE26 7019 0000 0100 1586 82
  • BIC: GENODEF1M01 (Münchner Bank)
  • Verwendungszweck: Tansania-Partnerschaft. Bitte geben Sie auch Namen und Adresse an, damit wir Ihnen eine Zuwendungsbescheinigung zuschicken können.

Aktuelles 2017

PRODEKANAT MÜNCHEN-WEST – KONDE-DIÖZESE/TANSANIA
BERICHT ÜBER DIE PARTNERSCHAFTSARBEIT IM JAHR 2017
Erstellt im Februar 2018

An der Partnerschaft sind nach wie vor die 13 Gemeinden im Prodekanat München-West beteiligt, zusammen mit drei aus München-Nord, die früher zum Prodekanat-West gehörten und folglich Partnergemeinden in der Konde-Diözese haben. Alle 16 Gemeinden tragen jedes Jahr zum gemeinsamen Jahresprojekt bei, ob die Gemeindepartnerschaft aktiv ist oder nicht. Im Jahr 2017 gab es keine aktive Partnerschaftsarbeit in sechs der 16 Gemeinden.

ABSCHIED VON PFARRER STEFAN PICKART

Im Rahmen eines feierlichen Gottesdienstes mit einer Besuchsgruppe aus Tansania wurde Pfr. Stefan Pickart im Juli 2017 aus seinen Verpflichtungen als Partnerschafts- und Missionspfarrer im Prodekanat München-West von Dekan Christoph Jahnel entlassen. Er hat uns in dieser Funktion seit 2011 begleitet. 2013 war er in Tansania zusammen mit Stadtdekanin Kittelberger, ihrem Mann, Diakon Dietmar Frey und Pfr. Manfred Kurth von Mission EineWelt. Im Herbst 2017 trat er eine neue Pfarrstelle in Meitingen bei Augsburg an.

Da er keinen Nachfolger hat, sind die Dekanatsbeauftragten Ruth Schubert und Christi-Anne Scholle seitdem für alle Leitungsaufgaben verantwortlich.
Es gab auch eine andere wichtige Änderung: Das Bankkonto wurde am 31.07.17 aufgelöst und die Verwaltung der Finanzen an das Kirchengemeindeamt in der Landwehrstraße übergeben. Die neue Ansprech¬partnerin für Finanzfragen ist die Sekretärin des Prodekanats.

WAHLEN IN DER KONDE-DIÖZESE

Vom 31. August bis 3. September 2017 tagte die General Assembly der Konde-Diözese. Im Rahmen dieses Treffens fand die Wahl des neuen Führungsteams statt. Als Bischof wurde Dr. Edward Mwaikali gewählt und Geoffrey Mwakihaba als Assistant to the Bishop.
14. Januar 2018: Amtseinführung des neuen Bischofs in der Kathedrale in Tukuyu.
18. März 2018: Abschied des bisherigen Bischofs Israel Peter Mwakyolile in Mbeya-Ruanda.
Zu beiden Veranstaltungen sind alle internationalen Partner der Konde-Diözese eingeladen.

JAHRESPROJEKT 2017 MIT BEITRÄGEN AUS 16 GEMEINDEN

3000 Euro gingen an das Krankenhaus in Itete.
2000 Euro gingen an das Projekt für Kinder mit Albinismus.
1000 Euro wurden für die Begegnung in München zurückgelegt.

Seit Jahren unterstützen wir die Schulausbildung von Kindern mit Albinismus, die in Tansania besonders benachteiligt sind. Ein Mädchen, das Schneidern gelernt hat, bekam eine Nähmaschine und andere Starthilfen, damit sie sich selbständig machen kann. Rechts im Bild ist Cecilia Nsombo vom Kirchenamt in Tukuyu, die Koordinatorin des Projekts.

THEMENABENDE

Die Gemeindebeauftragten und öfter auch Zuhörer aus den Gemeinden haben sich alle zwei Monate in der Stephanusgemeinde getroffen. Bei diesen Treffen waren in der Regel 15-20 Personen anwesend. Nach Besprechung von aktuellen Angelegenheiten wurde jeder Abend einem Thema gewidmet.

  • Januar 2017
    Pfr. Jackson Mwakibasi vom Leipziger Missionswerk über „Die lutherische Kirche und andere protestantische Konfessionen in Tansania“ (Thema für die Begegnung mit Gästen aus Tansania im Juni/Juli).
  • April 2017
    Pfr. Stefan Pickart über „Die lutherische Kirche und andere protestantische Konfessionen in Deutschland“ (Fortsetzung des Themas vom Januar).
  • Mai 2017
    Carola Bilitik über „Familien in Deutschland heute“ mit Ergänzungen aus ihrer Erfahrung von der Sozialpädagogin Helga Ilesy (zweites Thema für die Begegnung).
  • Juli 2017
    Nachgespräch über die Begegnung, zu dem auch alle Gastgeber eingeladen waren.
  • September 2017
    Reginald Temu über die politische und wirtschaftliche Lage in Tansania heute: Änderungen in Tansania nach der Wahl.
  • November 2017
    Diskussion über die Partnerschaftsarbeit in den Gemeinden.

FORTBILDUNGSWOCHENENDE IN DER LANDVOLKSHOCHSCHULE AM PETERSBERG

Wie jedes Jahr haben sich die Partnerschaftsbeauftragten aus ganz München zu einer Wochenend-Tagung (3.-5. Febraur 2017) mit ca. 70 Teilnehmern am Petersberg bei Dachau getroffen.

Das Thema 2017 war „Welthandel und seine Profiteure – Wo steht Tansania?“ mit Pfrin. Gisela Voltz vom Referat Entwicklung und Politik des Centrums Mission EineWelt. Wir sind der Frage nachgegangen, welche Position die Tansanier im Welthandel und in ihren Beziehungen zur EU einnehmen, ob sie Handelsbeziehungen aktiv und gleichberechtigt mitgestalten können oder ob sie Bedingungen akzeptieren müssen, die sie sich nicht wünschen. Insbesondere haben wir erfahren, dass Tansania im geplanten Abkommen mit der EU Nachteile für sich sieht.

Am Sonntagvormittag haben wir uns mit dem sogenannten Münchner Modell beschäftigt und überlegt, ob unsere Arbeit noch dem Modell entspricht, wie es von den Partnerschaftsengagierten zu Anfang gedacht war. Fazit: Durch solche Fortbildungswochenenden und durch persönliche Begegnungen wird die Projektlastigkeit unserer Arbeit etwas ausgeglichen.

Was wäre das jährliche Zusammensein ohne die Andacht in der romanischen Basilika oben auf dem Hügel am Freitagabend und das Tischabendmahl bei Kerzenlicht am Samstagabend? Das sind einzigartige Erlebnisse.

BESUCHSGRUPPE AUS TANSANIA IN MÜNCHEN

Vom 17. Juni bis 9. Juli hatten wir die große Freude, eine 5-köpfige Gruppe aus der Konde-Diözese bei uns in München begrüßen zu dürfen. Die Gruppe bestand aus:

  • Boaz Mwakisilwa, verantwortlich für Finanzen, Planung und Entwicklung im Kirchenamt in Tukuyu
  • Dr. Lee Mwakalinga, dem leitenden Arzt im Itete-Krankenhaus
  • Lucy Mwalukasa von Mbeya-Ruanda (Partnergemeinde der Epiphaniaskirche)
  • Veronica Ndossi von Mbeya-Mjini (Partnergemeinde der Adventskirche)
  • Juliet Mlenga von Ukukwe (Partnergemeinde der Gnadenkirche, Dachau)

Alle fünf Gäste waren weltoffen und wissbegierig. Insbesondere der Arzt versuchte alles im Detail zu erkunden und zu verstehen und hat endlos Fragen gestellt. Swahili-Dolmetscher wurden für Besuche in Einrichtungen angeheuert, aber die Unterhaltung unter uns verlief hauptsächlich auf Englisch.

Die Gäste wurden für jeweils eine Woche einzeln in Familien untergebracht. Bei der ersten Reflexionsrunde hörten wir, dass das einzige Problem das lange Tageslicht wäre; das hat wohl den Schlafrhythmus gestört. Die Gastgeber notierten in ihrem Feedback vieles, was die Gäste am Alltag interessant fanden, wie die verschiedenen Wohnverhältnisse, die Haustechnik, die Mülltrennung, der Friedhof, oder die Beschäftigung mit Enkelkindern. Wir erfuhren in Reflexionsrunden z.B., dass die Gäste es ungewohnt fanden, dass der Pfarrer nicht „höher steht“ oder dass man bei Gemeindefesten für das Essen bezahlen muss. Mit einer Ausnahme hatten die Besucher Smartphones, über die sie regelmäßig Kontakt mit zuhause halten konnten. Der Internet-Zugang über WLAN war dafür wichtig und dazu die richtigen Adapter und Kabel zum Laden der Handys.

Die zwei Schwerpunktthemen für die Begegnung waren

  1. Familie: Durch Diskussionen über unsere Familien und Besuche in verschiedenen Einrichtungen wurden Unterschiede deutlich. In der Konde-Diözese ziehen z.B. bedürftige alte Leute meist zu ihren Kindern (der Vater zum Sohn, die Mutter zur Tochter) oder werden innerhalb der Clanstruktur versorgt. Die Gäste betonten, dass Glaube in der Familie anfängt: Eltern müssen mit ihren Kindern über ihren Glauben sprechen. Wie vieles sonst, ist auch das etwas, was wir gerne Fachleuten überlassen.
  2. Unsere lutherische Identität: Dies war ein sehr ergiebiges Thema für beide Seiten. Die Gäste haben mehrmals betont, wie wichtig es für sie war, die Geschichte Luthers zu erfahren und ihn als Person wahr¬zunehmen. Für uns besonders gelungen war ein Nachmittag mit lutherischen Symbolen, von der deutschen Bibel, dem akademischen Talar und dem Kelch bis zum Ehering des Pfarrers. Beim Besuch einer Freikirche hörten wir, dass es dort, wie Luther es predigte und wie die Tansanier es praktizieren, eine sehr enge Bindung an die Worte der Bibel gibt: Das würde der Pfarrer der Freikirche bei den deutschen Lutheranern vermissen.

Weitere Themen waren Landwirtschaft und fairer Handel:

  • Beim Besuch zweier Bauernhöfe zeigten die Gäste Interesse an der Milchverarbeitung (z.B. Joghurt, Käse), an der Vermarktung (Hofladen), und an der Biolandwirtschaft.
  • Bei der Fairhandelsmesse in Augsburg zeigte Dr. Bergmann von MEW, wie wir im Handel mit Entwicklungsländern neue, nicht ausbeuterische Wege zu gehen versuchen. Für die Gäste wurde ein Kontakt zum „Würzburger Partnerkaffee“ hergestellt.

Ein spannender Nachmittag mit Pfr. Kurth brachte uns dazu, unser Bild vom jeweiligen Anderen zu beschreiben. Später hat der Arzt angemerkt, dass in Deutschland ein falsches Bild von Afrika herrscht, z.B. Plakate mit HUNGER IN AFRIKA in großen Buchstaben.

Am letzten Sonntag konnten wir mit den Gästen auf 40 Jahre Partnerschaft zurückblicken. Durch die Vertiefung der Einblicke in die Sozialstrukturen und die Glaubenswelt des jeweiligen Anderen ist das Verständnis für einander gewachsen.

Die intensive Zeit zusammen ist eine große Bereicherung für die beteiligten Menschen gewesen. Wir mussten feststellen, dass außer den Partnerschaftsbeauftragten und Gastgebern niemand aus den Gemeinden am täglichen Programm teilnahm. Aber alle zehn „aktiven“ Gemeinden waren in der einen oder anderen Weise an der Begegnung beteiligt.

BERICHT AUS TANSANIA

Sehr erfreulich ist, dass wir zum ersten Mal einen Bericht aus Tansania über den Besuch bekamen. Dr. Lee hat 22 Seiten mit einer Art Tagebuch als Bericht für das Partnerschaftskomitee der Konde-Diözese gefüllt. Als er hier war, beeindruckte Dr. Lee durch seine vielen Fragen zu allen möglichen Themen. Einige seiner Bemerkungen im Bericht (z.B. über das Fehlen von unterernährten Kindern im Krankenhaus) zeigen, wie unsere Lebenswelten sich unterscheiden. Obwohl es nur ein Nebenthema war, berichtet er mit großem Interesse über unsere Landwirtschaft. Als wir am Ende der Begegnung Themenvorschläge fürs nächste Mal sammelten, wurden Landwirtschaft und Ernährung an erster Stelle von ihm genannt. Er konnte in München zwei Krankenhäuser besuchen und interessierte sich für neue Behandlungsmöglichkeiten. Er traf Vereinbarungen zum geplanten Wasserkraftwerk in Itete mit der beteiligten Firma und konnte ein Ultraschallgerät von einem finnischen Spender in Empfang nehmen.

Genauso energisch bringt er das Krankenhaus in Itete voran, und schickt uns immer wieder Berichte über die rege Bautätigkeit dort. Im Jahr 2015 hatte eine Besuchsgruppe aus München von ihm gehört, dass in Itete ein neues Ambulanzgebäude nötig wäre. Ein großer Gebäudekomplex ist inzwischen gebaut und in Betrieb genommen worden. Wir haben diesen Bau zum Teil mit unseren Jahresprojektgeldern und Spenden aus Münchner Gemeinden unterstützt.