Ökumenische Vortragsreihe "Mystik und Spiritualität"

Seit Mai 2014 bieten die Gemeinden St. Theresia und Christuskirche eine Ökumenische Veranstaltungsreihe zum Thema „Mystik und Spiritualität“ an. Kompetente Referenten beleuchten jeweils Schätze aus den über 2000-jährigen Erfahrungen der christlichen Mystik und Spiritualität.

Dienstag, 21. März 2017, 19.30 Uhr

Prof. Dr. Jürgen Wasim Frembgen
Ich füge zusammen, ich zerschneide nicht – Islamische Mystik und Möglichkeiten interreligiöser Verständigung
Gemeindehaus Christuskirche, Dom-Pedro-Pl. 5, 80637 München
Eintritt frei

Im Sufismus finden sich deutliche Bekenntnisse zur Gottes- und Menschenliebe. Weisheitsworte und Verse von Mystikern betonen grundlegende Prinzipien der Harmonie, des Entgegenkommens und eines gelassenen Nebeneinanders zwischen Muslimen und Andersgläubigen bis hin zur Auflösung religiöser Grenzen. Sowohl in den Schriften der Sufis als auch im alltäglichen Islam der Heiligenschreine findet sich eine Haltung des „Gewährenlassens“ gegenüber religiöser Differenz.

Jürgen Wasim Frembgen, Leiter der Orient-Abteilung am Museum Fünf Kontinente in München und Professor für Religions- und Kulturgeschichte des Islam an der LMU München. Studium der Ethnologie, Vergleichenden Religionswissenschaft und Orientalischen Kunstgeschichte in Bonn und Heidelberg. Gastprofessuren in Islamabad, Lahore und Columbus, Ohio. Seit 1981 alljährliche Forschungsaufenthalte in Pakistan. Zahlreiche Ausstellungen und wissenschaftliche Veröffentlichungen über Kulturen der muslimischen Welt.

Die Veranstaltung wird in Kooperation mit der Gesellschaft der Freunde Abrahams e.V. veranstaltet.

Dienstag, 10. Oktober 2017, 19.30 Uhr

Prof. Dr. Pierfelice Tagliacarne
Vom Judentum zum Christentum
Gemeindehaus Christuskirche, Dom-Pedro-Pl. 5, 80637 München
Eintritt frei, in Kooperation mit der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit München e.V.

Der Übergang vom Judentum zum Christentum - als voneinander getrennte "Religionen" - verlief nicht abrupt, wie oft angenommen wird. Eine nüchterne Betrachtung der erhaltenen Quellen zeigt, dass dies ein langer Prozess theologischer Diskussionen, Abgrenzungen und Formulierungen eigener Überzeugungen war.

Als die Mehrzahl der Menschen, die an Jesus glaubten, aus den (Heiden-)Völkern kam, wurden leider die eigenen Wurzeln im Glauben Israels vergessen oder sogar verleugnet. Vorstellungen und Bilder, die in den Schriften des Neuen Testaments noch im Gespräch mit ihrem jüdischen Milieu standen, wurden allmählich mit Hilfe von anderen kulturellen Impulsen gedeutet und vertieft. Es entstanden komplexe Gebäude von "Lehren". Geschichtliche Entwicklungen können nicht rückgängig gemacht werden, aber die Besinnung auf den Ursprung gibt wertvolle Impulse für den Glauben in der heutigen säkularisierten Welt.

Pierfelice Tagliacarne geb. 1948 in Sannazzaro dei Burgondi (Pavia) Italien. Promotion in Theologie an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Von 1991 bis 2013 Professor für Exegese des Alten Testaments und Biblische Didaktik an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt. Von 1996 bis 2009 Lehrbeauftragter für alttestamentliche Einleitungswissenschaften an der Hochschule für Philosophie München; Ehrenvorsitzender der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit München.

Dienstag, 28. November 2017, 19.30 Uhr

Dr. Udo Hofmann
"Herr, komm in mir wohnen." Gerhard Tersteegen (1697 - 1769): Prediger - Leib- und Seelsorger - Dichter - Mystiker. Sein Leben und sein Werk.
Gemeindehaus Christuskirche, Dom-Pedro-Pl. 5, 80637 München
Eintritt frei

"Ach wär’ mein Geist so rein, so bilderlos und still

gleich wie ein weißes Blatt, worauf man schreiben will,

bald würde Gottes Sohn durch seines Lichtes Strahlen

sein wunderschönes Bild in meinem Grunde malen."

Dieses gedanklich tiefe und sprachlich brillante Gedicht lässt vieles von der Eigenart dieses wohl bedeutendsten evangelisch(-reformierten) Mystikers sichtbar und fühlbar werden: Mit wenigen Worten nur vermag er verborgene Seiten der menschlichen Seele zum Klingen zu bringen. Bei seiner übergroßen Bescheidenheit – der Mensch Tersteegen tritt hinter dem, was er zu sagen hat, vollständig zurück – ahnt man kaum, mit welch immensem inneren Reichtum man bei der Beschäftigung mit ihm beschenkt werden kann. Tersteegen war als Prediger, Seelsorger, Briefeschreiber, Schriftsteller und Liederdichter, als christlicher Denker und Mystiker eine der bedeutendsten Persönlichkeiten des 18. Jahrhunderts; ja selbst auf medizinisch-praktischem Gebiet hat er Erstaunliches geleistet. An diesem Abend soll das Wirken dieses „Stillen im Lande“ (Friedrich d. Gr.) in seinen mannigfachen Aspekten nahe gebracht werden.

 

 

 

 

Dienstag, 6. Februar 2018, 19.30 Uhr

Dr. Hildegard Gosebrink
"Den Sohn schlachten?" - Die Zumutung der Erzählung vom Opfer Abrahams in Bibel, Koran und Liturgie

Gemeindehaus Christuskirche, Dom-Pedro-Pl. 5, 80637 München
Eintritt frei

Für viele Menschen ist die Erzählung von der Bereitschaft Abrahams, Gott seinen Sohn zu opfern, eine der schlimmsten Bibelstellen. Im Judentum wird sie unter dem Titel "Die Bindung Isaaks" überliefert. Sie findet sich auch im Koran und spielt bei der Wallfahrt nach Mekka eine wichtige Rolle. Im Christentum ist sie seit vielen Jahrhunderten ausgerechnet für die Osternacht vorgesehen. Was hat sie da verloren? Wir werden diese Geschichte nicht glätten; sie ist so paradox wie das Leben. Wir schauen auf ihre Bedeutung für Juden, Christen und Muslime und wagen hilfreiche Perspektiven zu ihrem Verständnis für uns heute.

Hildegard Gosebrink, Dr. theol., studierte Theologie, Philosophie und Religionswissenschaften in Bochum, Jerusalem und Würzburg. 2000 Promotion in katholischer Theologie mit einer Arbeit über Maria in der Schöpfungstheologie Hildegards von Bingen. 2001 bis 2011 Referentin für Spiritualität und Liturgie im Kardinal-Döpfner-Haus auf dem Freisinger Domberg. 2011 bis 2016 Rektorin des Aschaffenburger Martinushauses, eines Hauses für Bildung-Beratung-Seelsorge in Trägerschaft des Bistums Würzburg. Seit 2016 Leiterin der Arbeitsgemeinschaft Frauenseelsorge in Bayern. Zahlreiche Veröffentlichungen.

Dienstag, 13. März 2018, 19.30 Uhr

Prof. Dr. Volker Leppin
"Frauen und Mystik im Mittelalter"
Gemeindehaus Christuskirche, Dom-Pedro-Pl. 5, 80637 München
Eintritt frei

Dass Frauen sich theologisch artikulierten, war im Mittelalter keine Selbstverständlichkeit. Die Mystik aber bot einen Weg hierzu: Frauen wie Hildegard von Bingen oder Mechthild von Magdeburg erlangten durch ihre hochreflektierten Visionen Anerkennung auch in der Welt der Kleriker – während andere, wie die französische Begine Marguerite Porete auf dem Scheiterhaufen endeten. Der Vortrag geht dieser vielfältigen Welt und der Einbindung der Frauen in ihre kirchliche Umwelt nach.

Volker Leppin (geb. 1966) hat in Marburg, Jerusalem und Heidelberg evangelische Theologie studiert. Promotion (1994) und Habilitation (1997) erfolgten in Heidelberg. Nach einem Lehrauftrag in Zürich und einer Lehrstuhlvertretung in Frankfurt/M. war er von 2000-2010 Inhaber des Lehrstuhls für Kirchengeschichte an der Friedrich-Schiller-Universität in Jena und ist seit 2010 Inhaber des Lehrstuhls für Kirchengeschichte an der Evg.-Theol. Fakultät Tübingen sowie Direktor des Instituts für Spätmittelalter und Reformation. Er ist ordentliches Mitglied der Heidelberger Akademie der Wissenschaften und korrespondierendes Mitglied der Sächsischen Akademie der Wissenschaften.

Wichtigste Veröffentlichungen: Martin Luther, Darmstadt 2006. ²2010.; Die christliche Mystik, München 2007; Geschichte des mittelalterlichen Christentums, Tübingen 2012 (Neue Theologische Grundrisse); Die Reformation, Darmstadt ²2017; Die fremde Reformation, München ²2017; zus. mit Irene Dingel (Hg.), Das Reformatorenlexikon, Darmstadt 2014; zus. mit Gury Schneider-Ludorff (Hg.), Das Luther-Lexikon, Regensburg 2014.

 

Die Vortragsreihe wird veranstaltet von der Christuskirche und der Pfarrei St. Theresia in Kooperation mit dem Evangelischen Bildungswerk München e.V. und dem Münchner Bildungswerk