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Mendelssohn-Bartholdy's "Paulus"

Das genaue Geburtsjahr von Paulus ist unbekannt, wahrscheinlich um die Zeitenwende, also +/- 0. Zu dieser Zeit ist Rom Weltmacht unter Kaiser Augustus.

Paulus’s Geburtsort ist Tarsus in Zilizien, an der Südküste Kleinasiens, in der heutigen Türkei. Tarsus ist eine Handelsstadt mit einem buntem Völkergemisch gewesen.

Paulus ist mit sehr gegensätzlichen Kulturkreisen großgeworden, dem jüdisch-semitischen und dem griech.-röm..

Das zeigen auch seine beiden Namen: Saul, bzw. Schaul und Paulos. Er trägt beide Namen nebeneinander. Für die Juden der Diaspora ist es üblich, dass sie zwei Namen führen, einen für das bürgerl., in seinem Fall römische Leben und einen für den jüdischen Gebrauch. Man wählte dabei Namen, die klanglich aufeinander abgestimmt waren, auch wenn es keine inhaltliche Verbindung gab. Schaul heißt übersetzt „der Erbetene“ , Paulus hingegen heißt „der Kleine“.

Paulus hat wohlhabende Eltern, die das tarsische und römische Bürgerrecht besitzen. Letzteres konnte man sich teuer erkaufen. Paulus hat damit von Geburt an das röm. Bürgerrecht, auf das er sich auch mehrmals beruft, vor allem als es um seine Verurteilung geht. Nur der röm. Staatsbürger hatte ein Recht auf ein röm. Gerichtsverfahren.

Paulus Vater war von Beruf Zeltmacher oder besaß eine Tuchfabrik. Der Sohn erlernte denselben Beruf.

Paulus Vater war Pharisäer. Die Pharisäer sind ein jüdischer Laienorden gewesen , die sich sehr genau im jüdischen Gesetz auskannten, es gründlichst studierten und streng danach lebten.

Paulus wurde in diesem Sinn erzogen. Vielleicht war er selbst auch zum Studium in Jerusalem bei einem damals sehr bekannten Rabbiner, namens Gamaliel.

Paulus weiteren Lebensweg werden wir dann am Oratorium entlang verfolgen. Die Handlungsgeschichte des Oratoriums ist der Apostelgeschichte im NT entnommen. Dabei sollte man sich klar sein, dass die Apostelgeschichte, nicht als historische Quelle im wissenschaftlichen Sinn gelten kann. Lukas, der Verfasser der Apostelgeschichte schreibt sein Werk frühestens gegen Ende des ersten Jahrhunderts, also mehr als vier Jahrzehnte nach Paulus’s Tod. D.h., die Zeitumstände sind ganz andere als zu der Zeit, da Paulus seine Briefe verfasste.

In der Apostelgeschichte und somit auch im Oratorium erfährt man nichts über die Theologie des Paulus, nichts von dem, was Paulus tatsächlich unermüdlich auf seinen Reisen den verschiedenen Gemeinden gepredigt bzw geschrieben hat.

Will man die theologischen Überlegungen und Ausführungen von Paulus kennen lernen, muss man seine Briefe lesen. Nebenbei bemerkt: von den 13 Briefen, die im NT seinen Namen tragen, gelten nur 7 als tatsächlich von Paulus verfasst.

Zeitlich lassen sich entscheidende Ereignisse im Leben des Paulus über die Bibel und andere historische Quellen jedoch recht gut zuordnen:

Ca. 35 findet seine Bekehrung zum Christentum statt.

Zwischen 47-56 ist Paulus dreimal auf Missionsreise und legt eine gewaltige Wegstrecke zurück.

Die Reiserouten kann man auf der Landkarte hinten in der Bibel verfolgen.

Zwischen 57 und 60 gerät Paulus in Gefangenschaft.

60/61 wird Paulus nach Rom überführt, dort stirbt er ca. 64 den Märtyrertod unter Kaiser Nero.

Das Oratorium Paulus

Das Oratorium des Paulus fängt nicht mit Paulus an. Der Text des ersten Chores steht in Apostelgeschichte 4 und zitiert Worte aus Psalm 2. Der Inhalt dieser Worte ist letztlich das Thema der gesamten Apostelgeschichte und auch des O’s: Die Apostel haben das Wort Gottes in der Welt auszurichten, trotz Ablehnung und Bedrohung.

2.Chor Apg 4,25-26 (Ps 2,1-2):

Herr, der du bist der Gott, der Himmel und Erde und das Meer gemacht hat. Die Heiden lehnen sich auf, Herr, wider dich und deinen Christ. Und nun Herr, sieh an ihr Drohn, und gib deinen Knechten mit aller Freudigkeit zu reden dein Wort.

3.Choral:

Allein Gott in der Höh sei Ehr und Dank für seine Gnade; darum dass nun und nimmermehr uns rühren kann kein Schade. Ganz unermessen ist seine Macht, nur das geschieht, was er bedacht. Wohl uns des Herren!
Nach dem Choral in Chor Nr.3 wird vom Apostel Stephanus berichtet. Dazu ein paar klärende Worte zur Situation der urchristlichen Gemeinde in Jerusalem um 35 n. Chr.:

Die Gemeinde lebte mehr oder weniger geduldet, eher verborgen vor der jüd. Gemeinde und der römischen Besatzungsmacht.

Die Apostelgeschichte beschreibt ihr Zusammenleben einerseits sehr positiv, dass sie z. B. jeglichen Besitz miteinander teilten, sie quasi eine Art Urkommunismus miteinander praktizierten. Andererseits werden aber auch deutlich die Grenzen der Gütergemeinschaft erwähnt: Die einen stellen nämlich doch nicht alles so ehrlich der Gemeinschaft zur Verfügung , andere beschweren sich, dass bei der Versorgung der Witwen die hebräischen gegenüber der hellenistischen bevorzugt werden. – Deshalb werden sieben Armenpfleger, darunter Stephanus gewählt, die sich speziell um die sozialen Aufgaben in der Gmde. kümmern sollen. Der heutige Beruf des Diakons findet übrigens in dieser Bibelstelle seinen Ursprung.

Stephanus zieht den Ärger der Juden auf sich. Die nächsten Stücke bis Nr.9 des O’s handeln genau von dieser Auseinandersetzung. Sie endet mit der Verurteilung wegen Gotteslästerung, die die Juden mit Steinigung ahndeten.

(Wissenschaftliche Frage: Durften die Juden zu dieser Zeit tatsächlich eigenmächtig, ohne römische Beteiligung Todesurteile vollstrecken, vgl. Jesu Tod oder fiel Stephanus einer Lynchjustiz zum Opfer?)

4.Rezitativ (S) Apg 4, 32/6, 8-12:

Die Menge der Gläubigen war ein Herz und eine Seele; Stephanus aber, voll Glauben und Kräfte, tat Wunder vor dem Volk, und die Schriftgelehrten vermochten nicht zu widerstehen der Weisheit und dem Geist, aus welchem er redete; da richteten sie zu etliche Männer, die da sprachen:

Bässe (Die falschen Zeugen):

Wir haben ihn gehört Lästerworte reden wider diese heilige Stätte und das Gesetz.

Rezitativ (S):

Und bewegten das Volk und die Ältesten und traten hinzu und rissen ihn hin und führten ihn vor den Rat und sprachen:

Im Chor Nr.5 Bezugnahme auf Jesu Weheruf über Jerusalem und Bergpredigt – „ihr habt gehört…“-„Ich aber sage euch…“)

5.Chor (Das Volk) (Apg 5, 28> Apostel) Apg 6,13-14:

Dieser Mensch hört nicht auf zu reden Lästerworte wider Mosen und wider Gott. Haben wir euch nicht mit Ernst geboten, dass ihr nicht solltet lehren in diesem Namen? Und sehet, ihr habt Jerusalem erfüllt mit eurer Lehre. Denn wir haben ihn hören sagen: Jesus von Nazareth wird diese Stätte zerstören und ändern die Sitten, die uns Mose gegeben hat.

6.Rezitativ (S) Apg 6,15/7:

Und sie sahen auf ihn alle, die im Rate saßen, und sahen sein Angesicht wie eines Engels Angesicht. Da sprach der Hohepriester: Ist dem Also? Stephanus sprach:

Rezitativ des Stephanus entspricht einer Kurzfassung der biblischen Heilsgeschichte; eine von 23 Predigten in der Apostelgeschichte, vom Verfasser Lukas selbst verfasst.

Rezitativ (T – Stephanus):

Liebe Brüder und Väter, höret zu: Gott der Herrlichkeit erschien unseren Vätern, errettete das Volk aus aller Trübsal und gab ihnen Heil. Aber sie vernahmen es nicht. Er sandte Mosen in Ägypten, da er ihr Leiden sah und hörte ihr Seufzen. Aber sie verleugneten ihn und wollten ihm nicht gehorsam werden und stießen ihn von sich und opferten den Götzen Opfer. Salomo baute ihm ein Haus, aber der Allerhöchste wohnt nicht in Tempeln, die mit Händen gemacht sind; der Himmel ist sein Stuhl und die Erde seiner Füße Schemel; hat nicht seine Hand dies alles gemacht? Ihr Halsstarrigen! Ihr widerstrebt allezeit dem Heiligen Geist! Wie eure Väter, also auch ihr. Welche Propheten haben eure Väter nicht verfolgt? Die da zuvor verkündigten die Zukunft dieses Gerechten, dessen Mörder ihr geworden seid. Ihr habt das Gesetz empfangen durch der Engel Geschäfte und habt es nicht gehalten.

Chor (Das Volk):

Weg mit dem! Er lästert Gott; und wer Gott lästert, der soll sterben.

Rezitativ (T – Stephanus):

Siehe, ich sehe den Himmel offen und des Menschen Sohn zur Rechten Gottes stehn.

Worte Jesu aus dem Matthäusevangelium

7.Arie (Sopran) (Mt 23,37):

Jerusalem! Die du tötest die Propheten; die du steinigest, die zu dir gesandt. Wie oft hab ich nicht deine Kinder versammeln wollen, und ihr habt nicht gewollt.

8.Rezitativ (T) Apg 7,57:

Sie aber stürmten auf ihn ein und stießen ihn zur Stadt hinaus und steinigten ihn und schrien laut:

Chor:

Steiniget ihn! Er lästert Gott, und wer Gott lästert, der soll sterben.

Vgl . in Nr. 9 Jesu Worte am Kreuz nach dem Evangelisten Lukas

9.Rezitativ (Sopran, Tenor) Apg 7, 59.60:

Und sie steinigten ihn. Er kniete nieder und betete: Herr, behalte ihnen diese Sünde nicht, Herr Jesu, nimm meinen Geist auf! Und als er das gesagt, entschlief er.

Choral:

Dir, Herr, dir will ich mich ergeben, dir, dessen Eigentum ich bin. Du nur allein, du bist mein Leben, und sterben wird mir dann Gewinn. Ich lebe dir, ich sterbe dir: Sei du nur mein, so g’nügt es mir.

Jetzt, in Nr. 10 kommt Paulus ins Spiel, hier noch Saulus genannt: „Und die Zeugen legten ab ihre Kleider zu den Füßen eines Jünglings, der hieß Saulus..“

Der Brauch, der hier beschrieben wird, entspricht einer alten jüdischen Vorschrift, nach der die Zeugen die ersten Steine auf den Verurteilten werfen müssen, aufgrund deren Aussage das Todesurteil gesprochen wurde. Diese Vorschrift will die Zeugen zu besonderer Vorsicht mahnen und ihnen die Schwere ihrer Verantwortung besonders deutlich machen.

10.Rezitativ (S) Apg 7, 58/ 8,2:

Und die Zeugen legten ab ihre Kleider zu den Füßen eines Jünglings, der hieß Saulus; der hatte Wohlgefallen an seinem Tode. Es beschickten aber Stephanum gottesfürchtige Männer und hielten eine große Klage über ihn.

Der Chor Nr. 11, der der Steinigung folgt, ist kein Wort aus den Paulusbriefen, sondern ein Vers aus dem Jakobusbrief.

11.Chor: Jakobus 5,11

Siehe! Wir preisen selig, die erduldet haben. Denn ob der Leib gleich stirbt, doch wird die Seele leben.

Saulus, der seine Aktivität gegen die christlichen Gemeinden ausdehnen und auch in Damaskus seine Ketzerjagd durchführen will, werden in der Arie „Vertilge sie..“ at.-liche Worte des Propheten Jesaja in den Mund gelegt. Damit wird deutlich gemacht, dass Paulus ebenso fest wie die alten Propheten im jüdischen Glauben verwurzelt und von diesem Gottesbild überzeugt war.

12.Rezitativ (T) Apg 9,1:

Saulus aber zerstörte die Gemeinde und wütete mit Drohen und Morden wider die Jünger und lästerte und sprach:

Arie (Baß – Paulus) Jes 5,24:

Vertilge sie, Herr Zebaoth, wie Stoppeln vor dem Feuer! Sie wollen nicht erkennen, dass du mit deinem Namen heißest Herr allein, der Höchste in aller Welt.

Lass deinen Zorn sie treffen, verstummen müssen sie!

13.Rezitativ (A) Apg 9,2:

Und zog mit einer Schar gen Damaskus und hatte Macht und Befehl von den Hohepriestern, Männer und Weiber gebunden zu führen gen Jerusalem.

Arioso (A) ?

Doch der Herr vergisst die Seinen nicht, er gedenkt seiner Kinder. Fallt vor ihm nieder, ihr Stolzen, denn der Herr ist nahe!

Auf dem Weg nach Damaskus erlebt Paulus seine Bekehrung, Nr.14. Was letztlich passiert ist, lässt sich nicht mehr rekonstruieren, zumal Paulus in seinen Briefen nur einmal wirklich etwas davon erwähnt (1 Kor 15,8,“Zuletzt von allen ist er, also Christus, auch von mir als einer unzeitigen Geburt, gesehen worden“)

Offenbarungen solcher Art sind, denke ich, ein dialogisches Geschehen, das die Welt ausschließt. Das himmlische Licht verdunkelt die Außenwelt. Dem Betroffenen selber aber geht ein Licht auf und es klärt sich Entscheidendes, Chöre Nr. 15 und16.

Zur Zeit des Paulus zweifelt aber niemand an dem Realgehalt solcher Erlebnisse. Es ist eine Zeit der politischen Unsicherheit und der religiösen Orientierungslosigkeit. Viele relig. Kreise suchten Kontakt mit höheren Welten und dem Jenseits.

14.Rezitativ (T) Apg 9,3ff:

Und als er auf dem Wege war, und nahe zu Damaskus kam, umleuchtete ihn plötzlich ein Licht vom Himmel; und er fiel auf die Erde und hörte eine Stimme, die sprach zu ihm:

(Chor) Saul! Was verfolgst du mich? (Tenor) Er aber sprach: (Bass-Paulus) Herr, wer bist du?

(Tenor) Der Herr sprach zu ihm: (Chor) Ich bin Jesus von Nazareth, den du verfolgst! (Tenor) Und er sprach mit Zittern und Zagen: (Bass-Paulus) Herr, was willst du, dass ich tun soll?

(Tenor) Der Herr sprach zu ihm: (Chor) Stehe auf und gehe in die Stadt, da wird man dir sagen, was du tun sollst.

Worte des Propheten Jesaja in der christlichen Tradition Verheißung auf die Weihnachtsgeschichte: Mit Jesu Geburt geht das Licht der Welt auf.

(Weihnachtstermin zur Wintersonnenwende)

15.Chor Jes 60,1-2:

Mache dich auf! Werde Licht! Denn dein Licht kommt, und die Herrlichkeit des Herrn gehet auf über dir. Denn siehe, Finsternis bedeckt das Erdreich und Dunkel die Völker. Aber über dir gehet auf der Herr, und seine Herrlichkeit erscheinet über dir.

Choral Nr. 16 ist das Lied zum Ewigkeitssonntag. Tag der Entscheidung. Aufruf zur Wachsamkeit.

16.Chor:

Wachet auf! Ruft uns die Stimme der Wächter sehr hoch auf der Zinne, wach auf, du Stadt Jerusalem! Wacht auf! Der Bräutigam kommt, steht auf! Die Lampen nehmt. Halleluja! Macht euch bereit zur Ewigkeit! Ihr müsset ihm entgegengehn.

17.Rezitativ (T) Apg 9, 7-9:

Die Männer aber, die seine Gefährten waren, standen und waren erstarrt, denn sie hörten eine Stimme und sahen niemand. Saulus aber richtete sich auf von der erde, und da er seine Augen auftat, sah er niemand; sie nahmen ihn aber bei der Hand und führten ihn gen Damaskus, und war drei Tage nicht sehend und aß nicht und trank nicht.

Im Oratorium sind die ersten Paulus-Worte Worte eines sogenannten at.-lichen Bußpsalms, Arie Nr. 18.

Ananias, ein Mitglied der christl. Gemeinde in Damaskus, wird mit der Heilung der Blindheit und der Taufe des Paulus beauftragt.

Der Chor antwortet auf dieses Geschehen in Nr. 22 mit einem echten Paulus-Wort aus dem Römerbrief: „O welch eine Tiefe des Reichtums der Weisheit..“

18.Aria (Bass-Paulus) Ps 51, 1+13-14:

Gott, sei mir gnädig nach deiner Güte, und tilge meine Sünden nach deiner großen Barmherzigkeit. Verwirf mich nicht von deinem Angesicht und nimm deinen heiligen Geist nicht von mir. Ein geängstetes und zerschlagenes Herz wirst du, Gott, nicht verachten. Denn ich will die Übertreter deine Wege lehren, dass sich die Sünder zu dir bekehren. Herr, tue meine Lippen auf, dass mein Mund deinen Ruhm verkündige. Herr! Verwirf mich nicht!

19.Rezitativ (T) Apg 9,10:

Es war aber ein Jünger zu Damaskus, mit Namen Ananias, zu dem sprach der Herr: (S) Ananias, stehe auf! Und frage nach Saul von Tarse, denn siehe, er betet! Dieser ist mir ein auserwähltes Rüstzeug; ich will ihm zeigen, wie viel er leiden muss um meines Namen willen.

20.Arie (Bass-Paulus) ?:

Ich danke dir, Herr, mein Gott, von ganzem Herzen ewiglich; denn deine Güte ist groß über mich und du hast meine Seele errettet aus der tiefsten Hölle.

Chor Offb 21,4:

Der Herr wird die Tränen von allen Angesichtern abwischen, denn der Herr hat es gesagt.

Arie (B) :

Ich danke dir, Herr, ich danke dir!

21. Rezitativ (S) Apg 9, 17-20:

Und Ananias ging hin und kam in das Haus und legte die Hände auf ihn und sprach: (T-Ananias) Lieber Bruder Saul, der Herr hat mich gesandt, der dir erschienen ist auf dem Wege, da du herkamst, dass du wieder sehend und mit dem heiligen Geist erfüllt werdest. (S) Und alsbald fiel es wie Schuppen von seinen Augen, und er ward wieder sehend und stand auf und ließ sich taufen, und alsbald predigte er Christum in den Schulen und bewährte es, dass dieser Christus ist.

22. Chor Röm 11, 33+36:

O, welch eine Tiefe des Reichtums der Weisheit und Erkenntnis Gottes! Wie gar unbegreiflich sind seine Gerichte! Und unerforschlich seine Wege! Ihm sei Ehre in Ewigkeit. Amen!

Chor Nr. 23 im zweiten Teil des O’s beschreibt in wenigen Worten das, was die Apostelgeschichte ausführlich erzählt, dass nämlich die ganze Welt die christliche Botschaft erfahren soll.

23.Chor:

Der Erdkreis ist nun des Herrn und seines Christ. Denn alle Heiden werden kommen und anbeten vor dir. Denn seine Herrlichkeit ist offenbar geworden.

Die Apostelgeschichte berichtet nach der Bekehrung des Paulus erst einmal über einige Erlebnisse des Apostels Petrus. Im Oratorium wird Paulus aber bereits mit einem anderem Apostel, namens Barnabas auf die 1. Missionsreise geschickt.

24. Rezitativ (S) : Apg 13,2-3

Und Paulus kam zu der Gemeinde und predigte den Namen des Herrn Jesu frei. Da sprach der Heilige Geist: sendet mir aus Barnabas und Paulus zu dem Werk, dazu ich sie berufen habe. Da fasteten sie und beteten und legten die Hände auf sie und ließen sie gehen.

_Das Duett von Paulus und B in Nr. 25 sind Worte aus dem 2. Brief des Paulus an die Korinther

25. Duettino (Tenor-Barnabas, Bass-Paulus) : 2 Kor 5,20_

So sind wir nun Botschafter an Christi Statt, denn Gott vermahnet durch uns.

Der Chor Nr. 26 singt wiederum Worte des Propheten Jesaja. Erstaunlicherweise Worte aus dem AT, obwohl die Friedensbotschaft, die verkündet wird, ja die christliche Botschaft ist.

26. Chor: Jes 52,7

Wie lieblich sind die Boten, die den Frieden verkündigen. In alle Lande ist ausgegangen ihr Schall und in alle Welt ihre Worte.

27. Rezitativ (S): Apg 13,4

Und wie sie ausgesandt von dem Heiligen Geist, so schifften sie von dannen und verkündigten das Wort Gottes mit Freudigkeit.

Nach dem Arioso „Lasst uns singen von der Gnade des Herrn..“ folgt eine Auseinandersetzung zwischen den Aposteln und den Juden. Paulus und B gehen zuerst in die Synagoge zu den Juden, um den auferstandenen Christus zu predigen. Nachdem die Juden sie ablehnen und töten wollen, wenden sie sich zu den Heiden. Nach der wunderbaren Heilung eines Gelähmten, Rezitativ Nr. 32 werden Paulus und B sogar für die Götter Jupiter und Mercurius gehalten. Chor Nr.33. Paulus und B. sind darüber natürlich entsetzt und halten dem Volk eine entsprechende Standpauke wer der wahre und lebendige Gott sei.. Danach sind sowohl die Juden wie die Heiden so verärgert, dass sie sie töten wollen. Stücke Nr. 37 und 38. In der Apostelgeschichte wird von einer versuchten Steinigung erzählt, die aber Paulus überlebt.

Arioso (S): Ps 89,2

Lasst uns singen von der Gnade des Herrn und seine Wahrheit verkündigen! Ewiglich!

28. Rezitativ (T): Apg 13, 45

Da aber die Juden das Volk sahen, wie es zusammenkam, um Paulus zu hören, wurden sie voll Neid und widersprachen dem, das von Paulus gesagt ward, und lästerten und sprachen:

(Chor) So spricht der Herr: Ich bin der Herr und ist außer mir kein Heiland. (T) und stellten Paulus nach und hielten Rat zusammen, dass sie ihn töteten, und sprachen zueinander:

Chor:

Ist das nicht, der zu Jerusalem verstörte alle, die diesen Namen anrufen? Verstummen müssen alle, alle Lügner, weg mit ihm!

Solisten und Chor:

O Jesu Christe, wahres Licht, erleuchte, die dich kennen nicht, und bringe sie zu deiner Herd’, dass ihre Seel’ auch selig wird’. Er leuchte, die da sind verblend’t, bring her, die sich von und getrennt, versammle, die zerstreuet gehen, mach fester, die im Zweifel stehn!

30. Rezitativ (T): Apg 13,46

Paulus aber und Barnabas sprachen frei und öffentlich: (Bass-Paulus) Euch musste zuerst das Wort Gottes gepredigt werden; nun ihr es aber von euch stoßet und achtet euch selbst nicht wert des ewigen Lebens, siehe, so wenden wir uns zu den Heiden.

31. Duett (Paulus-Barnabas) Apg 13,47 (Jes 49,6)

Denn also hat uns der Herr geboten: ich habe dich den Heiden zum Licht gesetzt, dass du das Heil seist, bis an das Ende der Erde. Denn wird den Namen des Herrn wird anrufen, der soll selig werden.

32. Rezitativ (S): Apg 14, 8-11

Und es war ein Mann zu Lystra, der war lahm und hatte noch nie gewandelt, der hörte Paulus reden, und als er ihn ansah, sprach er mit lauter Stimme: Stehe auf! Auf deine Füße! Und er sprang auf und wandelte und lobete Gott. Da aber die Heiden sahn, was Paulus getan, hoben sie ihre Stimme auf und sprachen zueinander:

33. Chor: Apg 14,11

Die Götter sind den Menschen gleich geworden und sind zu uns herniedergekommen.

34. Rezitativ (S): Apg 14,12-13

Und nannten Barnabas Jupiter und Paulus Mercurius. Der Priester aber Jupiters, der vor ihrer Stadt war, brachte Rinder und Kränze vor das Tor und wollte opfern samt dem Volk und beteten sie an.

35. Chor:

Seid uns gnädig, hohe Götter! Seht herab auf unser Opfer!

36. Rezitativ (T): Apg 14,14

Da das die Apostel hörten, zerrissen sie ihre Kleider und sprangen unter das Volk, schrien und sprachen: (Bass-Paulus) Ihr Männer, was macht ihr da? Wir sind auch sterbliche Menschen, gleich wie ihr, und predigen euch das Evangelium, dass ihr euch bekehren sollt von diesem falschen zu dem lebendigen Gott, welcher gemacht hat Himmel und Erde und das Meer. Wie der Prophet spricht All eure Götzen sind Trügerei, sind eitel Nichts und haben kein Leben; sie müssen fallen, wenn sie heimgesucht werden. (1 Kor 3,16.17) Wisset ihr nicht, dass ihr Gottes Tempel seid? Und dass der Geist in euch Wohnet? So jemand den tempel Gottes verderben wird, den wird Gott verderben. Denn der Tempel Gottes ist heilig, der seid ihr.

Chor:

Aber unser Gott ist im Himmel. Er schaffet alles, was er will. (C.F.) Wir glauben all an einen Gott, Schöpfer Himmels und der Erden, der sich zum Vater gegeben hat, dass wir seine Kinder werden.

37. Rezitativ (S):

Da ward das Volk erreget wider sie und es erhob sich ein Sturm der Juden und der Heiden, und wurden voller Zorn und riefen gegen ihn:

38. Chor: (Jer 7,4) (2 Kor 11,25)

Hier ist des Herrn Tempel! Ihr Männer von Israel, helfet! Dies ist der Mensch, der alle Menschen lehret wider dies Volk, wider das Gesetz und wider diese heilige Stätte! Steiniget ihn!

39. Rezitativ (S):

Und sie alle verfolgten Paulus auf seinem Wege, aber der Herr stand ihm bei und stärkte ihn, auf dass durch ihn die Predigt bestätigt würde und alle Heiden höreten.

In der Apostelgeschichte kehrt Paulus erst mal von seiner 1. Missionsreise heim und es folgt ein entscheidendes Kapitel, in dem es um die Streitfrage geht, ob die Heiden, die sich zum Christentum bekehren, erst alle jüdischen Gesetze einhalten müssen oder nicht. Das sogenannte Apostelkonzil endet mit dem Beschluss, dass den Heiden keine weiteren Lasten auferlegt werden außer drei Dingen: Kein Opferfleisch essen, ebenso kein Ersticktes und keine Unzucht treiben.

Im Oratorium wird dies wie die gesamte 2. Missionsreise übersprungen

Mit Worten aus der Offenbarung „sei getreu bis in den Tod..“ wird in Nr.40 angedeutet, dass P’s Leben immer mehr in Gefahr ist und seine Mission zunehmend gefährlicher wird.

40. Cavatine (T): Offb 2,10

Sei getreu bis in den Tod, so will ich dir die Krone des Lebens geben. Fürchte dich nicht, ich bin bei dir!

Nr. 41 setzt bereits in der 3. Missionsreise wieder ein. Paulus ist auf dem Rückweg nach Jerusalem und macht Station in Ephesus. Aus der Ahnung heraus, dass er in Jerusalem verhaftet werden wird, hält er vor den Ältesten der Gemeinde seine Abschiedsrede.

41. Rezitativ (S): Apg 20, 17ff

Paulus sandte hin und ließ fordern die Ältesten von der Gemeinde zu Ephesus und sprach zu ihnen: (Bass-Paulus) Ihr wisset, wie ich allezeit bin bei euch gewesen und dem Herrn gedient mit aller Demut und mit vielen Tränen und habe bezeuget den Glauben an unseren Herrn Jesum Christum. Und nun siehe, ich, im Geiste gebunden, fahre hin, gen Jerusalem; Trübsal und Bande harren mein daselbst, ihr werdet nie mein Angesicht wiedersehen. (S) sie weineten und sprachen:

Chor und Soli übernehmen in Nr. 42 mit einem Wort aus dem Mt.-Evang. die Reaktion der Epheser „schone doch deiner selbst“. So reagierte einst Petrus auf die Ankündigung Jesu, dass er bald sterben wird.

Paulus will sich aber seinem Schicksal stellen und um Jesu willen sterben. Damit endet die Handlung im O. Der Chor antwortet in Nr. 43 darauf mit einem Wort aus dem 1. JohBr „Sehet, welch eine Liebe..“

42. Soli und Chor: (Mt 16,22)

Schone doch deiner selbst! Das widerfahre dir nur nicht!

Rezitativ (Bass-Paulus): Apg 21,13

Was machet ihr, dass ihr weinet und brechet mir mein Herz ? Denn ich bin bereit, nicht allein mich binden zu lassen, sondern auch zu sterben u Jerusalem, um des Namens willen, des Herrn Jesu.

(T) Apg 20 36-38

Und als er das gesagt, kniete er nieder und betete mit ihnen allen und sie geleiteten ihn in das Schiff und sahen sein Angesicht nicht mehr.

43. Chor: 1. JohBr 3,1

Sehet, welch eine Liebe hat uns der Vater erzeiget, dass wir sollen Gottes Kinder heißen.

Die letzten Kapitel der Apostelgeschichte Paulus’s Verhaftung zuerst in Jerusalem, dann in Cäsarea, seine Verteidigungsreden, ein versuchter Mordanschlag, schließlich seine Reise als Gefangener nach Rom interessiert das Oratorium nicht mehr.

Schlussrezitativ und Schlusschor sind Worte aus dem 2. TimBr, keine echten Paulusworte und der Schlusschor endet schließlich bezeichnenderweise wieder mit einem at-lichen Psalmwort „Lobe den Herrn, meine Seele…“!

44. Rezitativ (S): 2. Tim 4, 7-8

Und wenn er gleich geopfert wird über dem Opfer unseres Glaubens, so hat er einen guten Kampf gekämpft; er hat den Lauf vollendet, er hat Glauben gehalten; hinfort ist ihm beigelegt die Krone der Gerechtigkeit, die ihm der Herr an jenem Tage, der gerechte Richter, geben wird.

45. Schlusschor: 2. Tim 4,8 / Ps 103, 20

Nicht aber ihm allein, sondern allen, die seine Erscheinung lieben. Der Herr denket an uns und segnet uns. Lobe den Herrn, meine Seele, und was in mir ist, seinen heiligen Namen. Ihr, seine Engel, lobet den Herrn!

Schlusswort:

Wie anfangs angedeutet haben wir am Ende des O’s einen groben Durchgang durch die biblische Apostelgeschichte mitgemacht, aber eigentlich wenig über den echten Paulus erfahren.

Wie ist Paulus tatsächlich aufgetreten? Welchen Charakter hatte er? Was ärgerte, kränkte, was freute ihn?

All das erfährt man tatsächlich nur, wenn man seine Briefe liest, die er den Gemeinden schrieb!

Das Oratorium beinhaltet eine beeindruckende Zusammenstellung biblischer Texte. Alle Bibelstellen aus dem AT und NT, alle Gesangbuchverse, sind sehr bewusst ausgewählt und tiefsinnig, nie zufällig an bestimmten Stellen eingesetzt.

Vielleicht ist es die überzeugte Protestantin in mir, die sich fragt, warum Mendelssohn bzw. sein Textschreiber Julius Schubring ausgerechnet im „Oratorium Paulus“ außer dreimal keine echten Paulusworte verwendet hat?

Mendelssohn ist ja als Jude zum Protestantismus konvertiert. Warum wollte er dann nicht einen der entscheidenden Sätze aus dem Galater- und Römerbrief vertonen, die einst M. Luther zu seiner Reformationslehre veranlasste und letztlich die Reformation auslösten?

Ich meine die Bibelstelle, wo Paulus sagt, dass der Gerechte allein aus dem Glauben und nicht aus frommen Werken leben wird.

Reclams Chormusik- und Oratorienführer schreibt, dass Mendelssohn eine romantische und undogmatische Frömmigkeit besaß und die jüdische und christliche Religion als poetische Einheit zu begreifen suchte. – Vielleicht eine Antwort darauf.

Darin sind sich auf jeden Fall die Apostelgeschichte, Mendelssohn und wer weiß, vielleicht auch Paulus selbst einig: Paulus ist Missionar, Sendbote, Prediger der christlichen Botschaft. Und diese Botschaft des Friedens und des Lichts gilt es der ganzen Welt auszurichten!

(Das Referat wurde von unserem ehemaligen Chormitglied Monika Ringler verfasst und anlässlich unseres Probenwochenendes zum Paulus gehalten.)

veröffentlicht von ta am 8. Mai 2010, 12:42 | 0 Kommentar(e)

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Termine

Jahresprogramm 2012 (pdf) zum Herunterladen und Ausdrucken

14. Februar 2012, 20:15
Gottesdienst und Männerquartett-Konzert am Valentinstag

3. März 2012, 20:00
Konzert junger Musiker: FESTLICHES KONZERT für Trompete und Orgel

1. April 2012, 10:00
Bach-Kantatengottesdienst

1. April 2012, 18:00
CHOR- UND SAXOPHONKONZERT

3. April 2012, 20:00
LUX AETERNA mit dem Axis Duo

4. April 2012, 20:00
Heinrich Schütz: Matthäus-Passion / J.S. Bach: Schemelli Lieder

6. April 2012, 18:00
Johann Sebastian Bach: JOHANNESPASSION

9. April 2012, 10:00
Ostermontags-Gottesdienst mit den „Kirchenspatzen“

6. Mai 2012, 10:00
Singgottesdienst zum Sonntag „Cantate“

17. Mai 2012, 10:00
„GOTTESDIENST IM PARK“

16. Juni 2012, 19:30
Konzerte junger Musiker: ORGELKONZERT

24. Juni 2012, 13:00
Kindermusical: "MARTIN LUTHER KING"

30. Juni 2012, 20:00
Konzerte junger Musiker: ORGELKONZERT

7. Juli 2012, 17:00
Im Rahmen der Kinder-Cantionale: "MARTIN LUTHER KING"

8. Juli 2012, 10:00
Gottesdienst mit dem Kammerchor

15. Juli 2012, 21:00
„WHAT A WONDERFUL WORLD“ mit dem Männerquartett „Close HarManiacs“

23. Juli 2012, 21:00
Carl Orff: CARMINA BURANA

29. Juli 2012, 10:00
Gottesdienst mit dem Kammerchor

12. August 2012, 16:00
Konzerte junger Musiker: ORGELKONZERT

30. September 2012, 13:00
Kindermusical: "FRANZISKUS"

14. Oktober 2012, 14:00
Im Rahmen des Seniorentages: Kindermusical "FRANZISKUS"

11. November 2012, 18:00
Arthur Honegger: LE ROI DAVID

2. Dezember 2012, 18:00
Kammerchor-Konzert

9. Dezember 2012, 10:00
Festgottesdienst mit Werken von J.S. Bach

9. Dezember 2012, 15:00
Konzert für Kinder: J.S. Bach WEIHNACHTSORATORIUM

9. Dezember 2012, 18:00
J.S. Bach WEIHNACHTSORATORIUM

16. Dezember 2012, 17:00
Adventssingen in der Christuskirche

20. Dezember 2012, 21:00
„ALLE JAHRE WIEDER“ mit dem Männer-Gesangsquartett "Close HarManiacs"

31. Dezember 2012, 21:00
Konzert zum Jahresschluss mit Trompeten und Orgel

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