Fair-Kauf

 

Als Fairer Handel wird ein kontrollierter Handel bezeichnet, in dem die Preise für die gehandelten Produkte üblicherweise höher angesetzt sind als der jeweilige Weltmarktpreis. Damit soll den Produzenten ein höheres und verlässlicheres Einkommen als im herkömmlichen Handel ermöglicht werden. In der Produktion sollen internationale Umwelt- und Sozialstandards eingehalten werden.
Der Eine-Welt-Kreis bietet fair gehandelte Produkte öfters nach dem Gottesdienst in der Christuskirche an. Mit dem kleinen Erlös unterstützen wir Projekte in Brasilien und Tansania und die Arbeit mit Flüchtlingen hier in München. 

Was ist fairer Handel?
Die Fairhandelsbewegung konzentriert sich hauptsächlich auf Waren, die aus Entwicklungsländern in Industrieländer exportiert werden. Fairer Handel umfasst landwirtschaftliche Erzeugnisse (etwa Kaffee und Bananen) ebenso wie Produkte des traditionellen Handwerks und der Industrie und weitet sich 
zusehends auf neue Bereiche wie den Tourismus aus. Verkauft werden fair gehandelte Produkte in Bio- und Weltläden wie auch in Supermärkten und in der Gastronomie.

In den fast 30 Jahren seines Bestehens hat der Faire Handel eine beachtliche Entwicklung durchgemacht: inzwischen ist er eine ernst zu nehmende Wirtschaftsform mit hohem Bekanntheitsgrad. Bewussten Verbraucherinnen und Verbrauchern bietet er eine echte Konsumalternative und auf dem Weltmarkt benachteiligten Produzentengruppen verschafft er eine soziale Entwicklungsperspektive.

Unserer Produkte
Der „Fairkauf“ in unserer Gemeinde bietet Produkte der gepa und El-Puente an: Die gepa und El-Puente verbinden soziale und ökologische Produktqualität auf hohem Niveau mit Wirtschaftlichkeit. Mittlerweile bieten sie eine große Vielfalt an fair gehandelten Produkten an, die auch im Vergleich mit dem konventionellen Markt qualitativ weit über dem Durchschnitt liegen. Der Reinerlös kommt unseren Partnergemeinden in Tansania und Brasilien zugute. 

Vortrag im Eine-Welt Gottesdienst vom 28.2.2016
von Torsten Weikert

Fairer Handel

Die letzten beiden Sonntage haben wir viel gehört über unsere Partnerschaften in Tansania und Brasilien sowie über die Flüchtlingsarbeit, die Hauptschwerpunkte des Eine-Welt-Kreises. Heute möchte ich noch ein bisschen was erzählen über den Fairen Handel – das ist der dritte große Schwerpunkt der Tätigkeit des Eine-Welt-Kreises in der Christuskirche.

Den meisten wird es sicherlich schon aufgefallen sein: Von Zeit zu Zeit – meistens am ersten Sonntag im Monat – befindet sich am Ende des Gottesdienstes hinten in der Kirche ein Verkaufsstand, an dem Kaffee, Tee, Honig, Schokolade und viele andere Sachen angeboten werden. Der eine oder andere mag sich sicherlich fragen: Was hat das jetzt eigentlich in der Kirche zu suchen, erst recht im Gottesdienst? Aber alle dort angebotenen Sachen haben eines gemeinsam: Sie stammen aus Fairem Handel.

Früher musste man in den Eine-Welt-Laden gehen. Heute kann man fair gehandelte Waren nahezu in jedem Supermarkt einkaufen. Warum also in der Kirche? Nun, das ist ganz einfach: Nur hier in der Kirche kommt der Erlös nicht nur den Bauern in den Erzeugerländern zugute, sondern der zusätzliche Ertrag fließt direkt in verschiedene Projekte, mit denen es uns möglich ist, unsere Partnergemeinden in Brasilien und Tansania finanziell zu unterstützen.

Was ist nun „Fairer Handel“?
Kennzeichen einer jeden Handelsbeziehung ist stets, dass durch den Austausch von Waren gegen Geld Gewinn erzielt werden soll. Das ist auch bei Fairem Handel nicht anders. Es wäre also eine Illusion, anzunehmen, dass Fairer Handel nicht ebenfalls darauf ausgerichtet ist, einen Gewinn zu erwirtschaften.

Der Unterschied liegt nur darin, wo der Gewinn entsteht und wem er letztlich zugute kommt. Bei herkömmlichen Handelsbeziehungen zwischen der – zumeist hochindustrialisierten – sog. „Ersten“ und der – weitestgehend landwirtschaftlich geprägten – sog. „Dritten“ Welt fällt ein Handelsgewinn nahezu ausnahmslos auf Seiten der global agierenden Großkonzerne an, die aufgrund ihrer marktbeherrschenden Stellung eigene Vorstellungen diktieren und gegenüber den Erzeugern durchsetzen können.

Ein Pfund Kaffee beispielsweise kostet immer gleich viel, unabhängig davon, wie hoch der Weltmarktpreis aktuell ist. Vielleicht mag der Kaffee auch teurer werden, aber niemals billiger. Anders verhält es sich beim Erzeuger. Der erhält für die von ihm angebauten Produkte ausschließlich den Weltmarktpreis, aber niemals mehr. Ist der Weltmarktpreis niedrig, bleibt ihm von dem erwirtschafteten Gewinn kaum so viel, dass er davon leben und überleben kann, geschweige denn, dass es ihm gelingt, nachhaltig und vorausschauend zu investieren. Den Schwankungen des Weltmarkts ist der Erzeuger voll ausgesetzt.

Fairer Handel (oder Fair Trade) ist die Antwort auf das Versagen des konventionellen Handels, den Menschen in den ärmsten Ländern ein nachhaltiges Auskommen und Entwicklungsmöglichkeiten zu bieten. Ungefähr zwei Milliarden Menschen auf der Erde müssen – trotz härtester Arbeit – mit weniger als zwei Dollar pro Tag auskommen. Nun ist Fairer Handel ganz sicher nicht die einzige und einzig wahre Lösung, um die massiven Probleme von Armut in den Griff zu bekommen. Es ist auch klar, dass die Probleme in den betroffenen Ländern vielfältig sind und unterschiedliche Ursachen haben, um sie alleine mit Handelsverträgen lösen zu können. Aber Fairer Handel kann ein Ansatzpunkt sein, um auch den Erzeugern ein besseres Leben und mehr Lebensqualität zu bieten.

Es ist der Ansatzpunkt für das Bewusstsein, dass bei der Erzielung von Gewinn durch Warenaustausch auch den Bauern in den ärmsten Ländern eine Stimme gegeben wird und Gewinne nicht auf ihre Kosten erzielt werden. Das Ziel ist eine Handelspartnerschaft, die auf Dialog, Verlässlichkeit und gegenseitigem Respekt beruht und nach größerer Gerechtigkeit strebt, indem Gewinne auf alle Beteiligten in gleichem Maße verteilt werden. Das sollte in der einen Welt, die wir haben, an und für sich selbstverständlich sein, ist es oftmals aber leider nicht.

Zur Entwicklung des Fairen Handels
Traditionell befasst sich Fairer Handel überwiegend mit landwirtschaftlichen Erzeugnissen, die aus den Entwicklungsländern in die Industriestaaten exportiert werden.

Waren es in den 50er Jahren zunächst fast ausschließlich Handwerksprodukte, Textilien (z.B. aus Jute) und Stickarbeiten, die im Umfeld kirchlicher Wohltätigkeitsprojekte in den USA verkauft wurden, bildete sich ab den 1960er Jahren eine Fairhandelsbewegung auch in Europa. Anfangs im eher linken politischen Spektrum angesiedelt, als bewusstes Gegenmodell zu der als neoimperial empfundenen Handelspolitik der Industrieländer und den dort ansässigen großen internationalen Konzernen, die alleine die Gewinnmaximierung in den Vordergrund stellten. Daher war es auch kein Zufall, dass in den 70er Jahren vor allem Märkte für Produkte aus solchen Ländern erschlossen wurden, die aus politischen Gründen von wichtigen Welthandelsprogrammen ausgeschlossen waren, wie z.B. Nicaragua oder Angola.

1983 gab es in Deutschland ungefähr 2500 Aktionsgruppen, die vorwiegend in Weltläden, in Kirchen, oder an Ständen auf öffentlichen Plätzen und Märkten fair gehandelte Waren anboten. 1990 wurde die European Fair Trade Association (EFTA) als Zusammenschluss verschiedener alternativer Importorganisationen gegründet. Das Bestreben war es, fair gehandelte Waren nicht mehr nur in Nischen zu vermarkten, sondern dorthin zu gehen, wo Kunden normalerweise Lebensmittel einkaufen. Indem man gezielt größere Kaufhaus- und Supermarktketten als Handelspartner gewinnen konnte, war es möglich, fair gehandelte Produkte fortan einem ungleich größeren Kundenkreis zu öffnen. 1992 wurde die Organisation TransFair International als Träger des europäischen Fair-Trade-Siegels von der EFTA und TransFair Deutschland in Göttingen gegründet. Mit der Einführung des FairTrade-Siegels als gemeinsames Logo erlebte der Faire Handel einen enormen Aufschwung. Im April 1997 schlossen sich verschiedene internationale Siegelorganisationen zur gemeinsamen Dachorganisation Fairtrade Labelling Organizations International (FLO) mit Sitz in Bonn zusammen.

Neben den traditionellen landwirtschaftlichen Erzeugnissen wie Kaffee, Tee, frisches und getrocknetes Obst, Säfte, Kakao und Schokolade, Zucker, Honig, Nüsse, Gewürze, Baumwollprodukte und Wein erstreckt sich Fairer Handel heute auch auf Schnittblumen und in jüngster Zeit sogar auf industriell gefertigte Produkte wie Bekleidung und Fußbälle. Angesichts sinkender Milchpreise bestehen in den letzten Jahren sogar Ansätze, die faire Preise auch für die europäischen Milchbauern garantieren sollen. Fairer Handel setzt immer da an, wo ein Ungleichgewicht in den Wirtschaftsbeziehungen vorhanden ist.

Worin unterscheidet sich Fairer Handel von herkömmlichen Handelsformen?
Die gemeinsame Vision ist eine Welt, in der Gerechtigkeit und nachhaltige Entwicklung den Kern der Handelsstrukturen bilden, so dass alle Beteiligten durch ihre Arbeit einen angemessenen und würdigen Lebensstandard halten und ihr volles menschliches Potential entfalten können. Handel kann ein wichtiges Instrument zur Armutsbekämpfung und für eine nachhaltigere Entwicklung sein, wenn er zu diesem Zweck mit größerer Gerechtigkeit und mehr Transparenz geführt wird, als dies derzeit der Norm entspricht.

1.) Entscheidend ist die Preisgestaltung.
Um den Bauern eine stabile und verlässliche Einkommensquelle zu sichern, die ihnen ein auskömmliches Leben ermöglicht, wird ein bestimmter Mindestpreis garantiert, der immer gezahlt wird, auch dann, wenn der Marktpreis deutlich darunter liegt. Der Mindestpreis (oder Garantiepreis) ist von den starken Schwankungen des Marktpreises abgekoppelt. Dies ermöglicht den Bauern eine langfristige Planung. Der Preis deckt mindestens die Produktionskosten, sichert die Existenz der Bauern und ermöglicht eine sozial gerechte, umweltverträgliche Produktion.

Oft wird den Bauern über den Mindestpreis hinaus eine Prämie gezahlt, etwa für die besondere Qualität der Produkte, für soziale Projekte, Bio-Anbau oder für den Erhalt und die Organisation der Kooperative, in der sich Bauern zusammengeschlossen haben. Die in genossenschaftlichen Verbänden organisierten Bauern haben so die Möglichkeit, gemeinschaftliche Projekte zur Verbesserung ihrer Situation selbst umzusetzen, etwa den Bau von Trinkwasserbrunnen, die Anschaffung von Hilfsmitteln, Geräten und Maschinen, die Renovierung von Straßen oder Investitionen in die medizinische Versorgung oder die Fortbildung und Schulung von Mitarbeitern.

2.) Faire Handelspartnerschaften sind durch eine langfristige und verlässliche Zusammenarbeit gekennzeichnet. Dies ermöglicht es den Produzenten, ihren Lebensunterhalt nachhaltig zu sichern, also nicht nur ihre wirtschaftlichen, sozialen und ökologischen Bedürfnisse von einem auf den nächsten Tag zu befriedigen, sondern darüber hinaus auch die Lebensbedingungen für die Zukunft zu verbessern.

3.) Ein besonders wichtiger Punkt ist die Möglichkeit einer zinsfreien Vorfinanzierung. Letzteres ist besonders wichtig, da die Bauern oft über keine oder nur geringe Geldmittel verfügen, gleichwohl aber erhebliche Vorab-Investitionen etwa in Saatgut, Düngemittel, zusätzliche Arbeitskräfte und Maschinen tätigen müssen, die sie unter ungünstigen Umständen wirtschaftlich ruinieren könnten.

4.) Nicht zuletzt ein wichtiger Grundsatz einer fairen Handelspartnerschaft ist die Einhaltung sozialer Standards. Darunter fällt ebenso das Verbot von ausbeuterischer Kinderarbeit, Sklaven- und Zwangsarbeit, wie die Gewährleistung gleicher Rechte für Frauen und Männer, sowohl in der Höhe der Bezahlung als auch in den Teilhabemöglichkeiten. Die Handelsorganisation garantiert zudem die Einhaltung hinreichender Gesundheits-und Sicherheitsbedingungen am Arbeitsplatz und die gesundheitliche Vorsorge ihrer Mitarbeiter.

5.) Ökologische Landwirtschaft ist hingegen nicht zwingend vorgeschrieben, soll aber gefördert werden, etwa durch die Reduzierung des Energieverbrauches, durch die Verbesserung der Abfallentsorgung oder -vermeidung und der Förderung einer biologischen Landwirtschaft. Bestimmte besonders umweltschädigende Pestizide sind im Anbau untersagt.

6.) Das alles macht natürlich nur Sinn, wenn es auch durch glaubwürdige, unabhängige Kontrollsysteme überprüft und überwacht wird. Die größte Organisation, die für die Zertifizierung von Produkten und Produzenten und die unabhängige Überprüfung der Einhaltung der Kriterien verantwortlich ist, ist die – bereits erwähnte – Dachorganisation FLO. Das FLO-Gütesiegel für Fairen Handel ist das international normierte Fair-Trade-Siegel. Daneben gibt es weitere nationale Siegelinitiativen wie etwa Transfair in Deutschland.

Zum Abschluss
Letztlich entscheidet jeder Konsument durch sein Einkaufsverhalten, welchen Stellenwert faire Arbeits- und Lebensbedingungen im weltweiten Handel haben. Je mehr Menschen den fairen Handel auch mit dem Kauf fair gehandelter Produkte unterstützen, desto gerechter geht es zu und desto mehr kommt von dem Gewinn, der im weltweiten Handel erwirtschaftet wird, auch bei den Produzenten und bei den Bauern in den ärmeren Regionen an.

Fairer Handel – das kann nicht oft genug betont werden – ist keine bloße Mildtätigkeit, sondern es ist eine Partnerschaft für Veränderung und Entwicklung durch Handel.